Ein Notfall mit dem eigenen Hund kommt meist unerwartet. Und oft ist es nicht der Notfall selbst, der uns überfordert – sondern die Unsicherheit, was jetzt richtig ist.
Die gute Nachricht:
- Du kannst dich vorbereiten.
- Und Vorbereitung ist eine Form von Verantwortung und Fürsorge.
Dieser Beitrag soll dir helfen, ruhig zu bleiben, den Überblick zu behalten und im Ernstfall besser einschätzen zu können, was dein Hund gerade braucht.
Warum Vorsorge so wichtig ist
In Stresssituationen funktioniert unser Kopf anders:
- Wissen ist schwer abrufbar
- Entscheidungen fallen schwer
- Angst übernimmt schnell das Steuer
Was dann hilft, ist Routine. Dinge, die wir schon einmal gesehen, geübt oder bewusst wahrgenommen haben, fühlen sich im Notfall weniger fremd an. Genau hier setzt das TAPS-Schema an.
TAPS – Orientierung für Hundemenschen
TAPS ist ein einfaches Schema zur Ersteinschätzung des Hundes im Notfall. Es ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Beratung, kann aber dabei helfen, klarer zu sehen und gezielter zu handeln.
TAPS steht für:
- T – Temperatur
- A – Atmung
- P – Puls / Herzschlag
- S – Schleimhäute
Diese vier Punkte geben dir einen schnellen Überblick über den Zustand deines Hundes – und liefern wichtige Informationen für ein Telefonat mit Tierarztpraxis oder Tierklinik.
Die vier TAPS-Punkte verständlich erklärt
Temperatur
Die Körpertemperatur gibt Hinweise auf Fieber, Unterkühlung oder Überlastung. Starke Abweichungen sind immer ein Warnsignal.
So kannst du sie messen:
Verwende ein handelsübliches Fieberthermometer und miss die Temperatur immer rektal über den After. Halte das Thermometer dabei leicht schräg, damit es seitlich gut anliegt und korrekt misst. Ohr- oder Stirnthermometer sind für Hunde nicht geeignet.
Normwerte:
| Tierart | Körpertemperatur (rektal, °C) |
|---|---|
| Hund | ca. 38,0–39,2 |
| Welpen | ca. 38,5–39,5 |
Leichte Abweichungen sind möglich. Wichtig ist vor allem, was für deinen Hund im gesunden Zustand normal ist.
Atmung
Die Atmung sollte ruhig und gleichmäßig sein. Auffällig schnelles, flaches oder angestrengtes Atmen ist ein ernst zu nehmendes Warnzeichen. Atemprobleme solltest du immer ernst nehmen.
So kannst du sie beurteilen:
Beobachte deinen Hund in Ruhe oder im Liegen. Hebt und senkt sich der Brustkorb gleichmäßig? Offenes Maulatmen in Ruhe oder deutliches Pressen beim Atmen ist auffällig.
Normwerte:
| Tierart | Atemzüge pro Minute (in Ruhe) |
|---|---|
| Hund | ca. 10 – 30 |
| Kleine Hunde / Welpen | oft etwas höher |
Wichtig: Werte zählen nur in Ruhe/schlafend, nicht nach Spiel, Aufregung oder Hitze.
Puls / Herzschlag
Ein sehr schneller, schwacher oder unregelmäßiger Puls kann auf Stress, Schmerzen oder Kreislaufprobleme hindeuten.
So kannst du ihn fühlen:
Den Puls kannst du gut an der Oberschenkelarterie fühlen. Sie verläuft relativ mittig an der Innenseite des Oberschenkels. Taste die Stelle vorsichtig mit ein bis zwei Fingern ab und übe dabei nur leichten Druck aus. Dafür braucht es etwas Übung.
Zähle 15 Sekunden lang den Puls deines Hundes und multipliziere das Ergebnis mit 4.
Normwerte:
| Tierart | Puls (Schläge pro Minute) |
|---|---|
| Kleine Hunde | ca. 80 – 140 |
| Große Hunde | ca. 60 – 100 |
| Welpen | ca. 120–160 |
Angst, Schmerzen oder Bewegung können den Puls deutlich beschleunigen.
Schleimhäute
Gesunde Schleimhäute sind rosafarben und feucht. Veränderungen in Farbe oder Feuchtigkeit deuten auf eine ernste Situation hin.
So kannst du sie prüfen:
Hebe vorsichtig die Lefze deines Hundes an und schau dir das Zahnfleisch an.
| Farbe / Zustand der Schleimhäute | Mögliche Bedeutung |
|---|---|
| Sehr blass / weißlich | Hinweis auf ein schweres Kreislaufproblem, z. B. Schock oder starke Blutung |
| Bläulich | Hinweis auf Sauerstoffmangel – akuter Notfall, sofort tierärztliche Hilfe nötig |
| Stark gerötet | Kann auf Überhitzung, Fieber, Entzündung oder Vergiftung hindeuten |
| Gelblich | Möglicher Hinweis auf Leberprobleme oder Blutabbau – tierärztlich abklären |
| Trocken / klebrig | Hinweis auf Dehydrierung oder Schock |
Kapilläre Rückfüllungszeit
Zusätzlich kann man auch die Durchblutung der Schleimhäute prüfen (kapilläre Rückfüllungszeit), um z. B. zu deuten, ob ein Kreislaufproblem vorliegt.
So kannst du sie prüfen:
Drücke mit einem Finger für ein bis zwei Sekunden auf die Maulschleimhaut. Nach dem Loslassen wird die Stelle kurz weiß und sollte innerhalb von maximal zwei Sekunden wieder die rosafarbene Umgebung angenommen haben. Dauert dies länger, kann dies ein Hinweis auf ein Kreislaufproblem sein.
Weitere Hinweise zur kapillären Rückfüllungszeit:
Eine verzögerte Rückfärbung kann auf eine gestörte Durchblutung oder ein Kreislaufproblem hindeuten. Die kapilläre Rückfüllungszeit ist ein orientierender Wert und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung.
TAPS als Vorsorge: Üben, bevor es ernst wird
TAPS ist besonders wertvoll, wenn du es nicht erst im Notfall anwendest. Du kannst im Alltag üben:
- die Atmung deines Hundes bewusst beobachten
- kurz die Schleimhäute ansehen
- den Puls fühlen
- den Ablauf im Kopf durchgehen
👉 So entwickelst du ein Gefühl dafür, was für deinen Hund normal ist. Und genau dieses Gefühl hilft dir später, Veränderungen schneller zu erkennen.
Gut vorbereitet unterwegs
Zur Vorsorge gehört auch Organisation:
- Telefonnummer der Haustierarztpraxis im Handy
- zusätzlich eine 24-h-Klinik
- im Urlaub oder auf Ausflügen: Tierarztpraxis in der Nähe heraussuchen
- digitale Helfer wie die Freddy Notfall App können in Notfällen zusätzliche Hilfestellung geben (hier auf die Warteliste eintragen)
Wann du sofort handeln solltest
Unabhängig von aller Vorbereitung gilt:
- mehrere auffällige TAPS-Werte
- deutliche Atemprobleme
- Apathie oder Bewusstseinsveränderungen
- sehr blasse oder bläuliche Schleimhäute
➡️ Sofort tierärztliche Hilfe suchen. Im Zweifel lieber einmal zu früh als zu spät.
Vorsorge ist Fürsorge
Niemand wünscht sich einen Notfall. Aber vorbereitet zu sein bedeutet:
- ruhiger zu bleiben
- bessere Entscheidungen zu treffen
- deinem Hund Sicherheit zu geben
Und genau das ist gelebte Verantwortung.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine tierärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung dar. Bei gesundheitlichen Problemen oder Verletzungen deines Hundes solltest du umgehend eine Tierarztpraxis konsultieren. Die hier genannten Informationen können eine professionelle tierärztliche Beratung nicht ersetzen.