Wenn man einen Hund hat, kennt man das Problem: Kaum wird es wärmer, sind sie wieder da – Zecken. Bei meinen zwei Hunden, Amy und Peppy, sehe ich das jedes Jahr deutlich: Amy bringt nach Spaziergängen viel häufiger Zecken mit nach Hause als Peppy.
Solche Beobachtungen machen viele Hundemenschen. Warum ein Hund zum "Zeckenmagnet" wird und ein anderer kaum betroffen ist, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Vermutet werden Unterschiede bei Fell, Verhalten im hohen Gras, Aufenthaltsort und individueller Attraktivität für Zecken. Klar ist aber: Zecken sind nicht nur lästig, sie können auch Krankheitserreger übertragen.
Warum Zecken für Hunde gefährlich sind
Zecken sind blutsaugende Parasiten. Das eigentliche Risiko liegt weniger im Stich selbst, sondern in den Erregern, die während des Saugakts übertragen werden können. Nicht jede Zecke trägt Erreger, und nicht jeder infizierte Hund wird krank. Das Risiko ist trotzdem real und sollte ernst genommen werden.
Wichtige Zeckenkrankheiten beim Hund
Borreliose
Borreliose wird in Europa vor allem durch den Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) übertragen. Viele Hunde mit Kontakt zu Borrelien bleiben ohne Symptome. Wenn es zu einer Erkrankung kommt, zeigen sich häufig Fieber, Mattigkeit sowie schmerzhafte, teils wechselnde Lahmheiten und Gelenkschwellungen.
Für Borrelien gilt: Das Übertragungsrisiko steigt vor allem bei längerer Anheftung der Zecke (häufig ab etwa 16 bis 24 Stunden). Frühes Entfernen ist deshalb besonders wichtig.
Anaplasmose
Anaplasmose ist ebenfalls eine durch Zecken übertragene bakterielle Infektion. Auch hier verläuft nicht jede Infektion klinisch auffällig. Typische Symptome sind Fieber, Appetitmangel, Mattigkeit und teils Lahmheit; seltener treten Blutungszeichen oder neurologische Auffälligkeiten auf.
Babesiose
Babesiose (manchmal als "Hundemalaria" bezeichnet) wird in Deutschland vor allem mit der Buntzecke/Wiesenzecke (Dermacentor reticulatus) in Verbindung gebracht. Die Erreger befallen rote Blutkörperchen, was zu Blutarmut führen kann.
Mögliche Warnzeichen sind hohes Fieber, ausgeprägte Schwäche, blasse oder gelbliche Schleimhäute und dunkel gefärbter Urin. Unbehandelt kann die Erkrankung lebensbedrohlich verlaufen.
FSME
Das FSME-Virus kann durch Zecken übertragen werden. Beim Hund wird eine klinische Erkrankung aber deutlich seltener diagnostiziert als beim Menschen. In Einzelfällen können neurologische Symptome wie Krampfanfälle, Lähmungen oder starke Unruhe auftreten.
Zecken sind nicht nur im Wald
Zecken sitzen vor allem in hohem Gras, Büschen, an Waldrändern, in Parks und Gärten. Sie lassen sich nicht von Bäumen fallen, sondern werden meist beim Vorbeigehen abgestreift. Je nach Art sind Zecken bereits bei kühlen Temperaturen aktiv, teils schon ab etwa 4 bis 7 °C, und in milden Wintern nahezu ganzjährig.
Wann ist die Zeckenzeit am stärksten? Für den Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus), der Borreliose und Anaplasmose überträgt, beschreiben Fachquellen zwei Aktivitätsgipfel: vor allem im Frühjahr (etwa März bis Juni) und noch einmal im Herbst (September bis November). Die Wiesenzecke/Buntzecke (Dermacentor reticulatus), die Babesiose übertragen kann, ist dagegen schon knapp über dem Gefrierpunkt aktiv und kann – je nach Region – praktisch das ganze Jahr über vorkommen. Kurz gesagt: Der Schwerpunkt liegt im Frühling und Herbst, aber in milden Wintern solltest du Zecken trotzdem mitdenken.
Warum manche Hunde mehr Zecken haben
Dass Amy deutlich häufiger Zecken mitbringt als Peppy, passt zu dem, was viele beobachten. Mögliche Faktoren:
- Aufenthalt und Bewegungsmuster im Gras oder Unterholz
- Felllänge und Fellstruktur (Entdeckbarkeit eingeschlossen)
- Körpernahe Stellen mit dünnem Fell (z. B. Kopf, Ohren, Achseln, Leiste, Zwischenzehenbereich)
- Individuelle Unterschiede, die bislang nicht vollständig erklärt sind
So schützt du deinen Hund wirksam
1) Nach jedem Spaziergang absuchen
Zecken suchen sich oft dünne, gut durchblutete Hautstellen. Deshalb lohnt es sich, nach dem Spaziergang gezielt diese Bereiche abzusuchen:
- Kopf und Gesicht: rund um die Augen, an den Ohren (auch in den Ohrmuscheln und an den Ohrrändern), an der Schnauze
- Hals (vor allem unten und seitlich)
- Achseln und Innenseite der Vorderbeine
- Bauch und Unterbauch
- Leiste und Innenseite der Oberschenkel
- Zwischen den Zehen und in den Zehenballen
- After- und Genitalbereich
Tipp: Noch nicht ausgewachsene Zecken (Nymphen) sind sehr klein und werden leicht übersehen. Sie sitzen oft an Ohrrändern, Ohrmuscheln, Augenlidern und im Schnauzenbereich – dort besonders genau hinschauen und vorsichtig durchtasten.
Je früher eine Zecke entdeckt und entfernt wird, desto besser.
2) So entfernst du eine Zecke richtig
Fachgesellschaften wie ESCCAP Deutschland und die Bundestierärztekammer empfehlen folgende Vorgehensweise, damit möglichst keine Erreger in die Wunde gedrückt werden:
- 1. Werkzeug benutzen. Nimm eine Zeckenzange, Zeckenkarte oder eine feine Pinzette. Mit den bloßen Fingern besteht die Gefahr, die Zecke zu quetschen – dabei können Krankheitserreger in den Stichkanal gelangen.
- 2. Zecke hautnah greifen. Fasse die Zecke so nah wie möglich an der Haut, direkt am Kopf bzw. Mundwerkzeug – nicht am vollgesogenen Körper.
- 3. Gleichmäßig und gerade herausziehen. Ziehe die Zecke langsam und gleichmäßig gerade aus der Haut. Nicht ruckartig, nicht quetschen und nicht drehen. Es kann bis zu einer halben Minute dauern, bis sie sich löst; dann gleitet sie meist leicht heraus. Beim Drehen können Teile der Zecke in der Haut stecken bleiben.
- 4. Stelle versorgen und beobachten. Die Einstichstelle nach dem Entfernen desinfizieren (z. B. mit einem Hautdesinfektionsmittel aus der Apotheke). Die Stelle in den nächsten Tagen beobachten. Die Zecke sicher entsorgen (z. B. in hochprozentigem Alkohol oder zerdrücken – nicht mit bloßen Händen).
Das solltest du nicht tun:
- Kein Öl, Alkohol, Klebstoff, Nagellack oder Äther auf die Zecke geben. Der Parasit kann dadurch „stressen“ und Mageninhalt in die Wunde entleeren – das kann die Übertragung von Erregern begünstigen.
- Die Zecke nicht drehen und nicht quetschen.
- Die Zecke nicht mit den Fingern herausziehen (Quetschgefahr).
Wenn du die Zecke nicht vollständig entfernen kannst oder unsicher bist, solltest du zeitnah eine Tierarztpraxis aufsuchen.
Abbildung: Die Zecke mit dem Werkzeug möglichst nah an der Haut fassen (nicht am Körper quetschen) und gleichmäßig gerade herausziehen – so wird das Risiko verringert, dass Erreger in die Wunde gedrückt werden.
3) Wirksame Prophylaxe mit der Tierarztpraxis abstimmen
Bewährte Optionen sind Spot-on-Präparate, Halsbänder oder Tabletten – jeweils mit tierärztlicher Beratung passend zu Hund, Alltag und Region.
Wichtig: Viele "natürliche" Alternativen (zum Beispiel manche Öle, Bernsteinketten oder Ultraschall-Halsbänder) gelten nicht als verlässlicher Ersatz für geprüfte Zeckenschutz-Präparate.
4) Bei Warnzeichen früh tierärztlich abklären
Wenn dein Hund nach Zeckenkontakt Fieber, Mattigkeit, Lahmheit, Appetitverlust, neurologische Auffälligkeiten oder dunklen Urin zeigt, solltest du zeitnah eine Tierarztpraxis aufsuchen.
FAQ: Häufige Fragen zu Zecken beim Hund
Warum hat ein Hund oft mehr Zecken als ein anderer?
Das ist nicht eindeutig geklärt. Vermutet werden Unterschiede bei Fellstruktur, Verhalten im hohen Gras, Aufenthaltsort und individueller Attraktivität für Zecken. Auch Sichtbarkeit spielt eine Rolle.
Wie schnell sollte ich eine Zecke entfernen?
Möglichst sofort. Bei manchen Erregern steigt das Risiko mit der Dauer des Saugakts deutlich an. Frühes Entfernen reduziert das Risiko einer Übertragung.
Reichen natürliche Mittel gegen Zecken aus?
Nach tiermedizinischen Empfehlungen oft nicht. Viele alternative Produkte haben keine verlässlich belegte Schutzwirkung. Lass dich zur passenden Prophylaxe in deiner Tierarztpraxis beraten.
Was ist ein Spot-on?
Ein Spot-on ist ein flüssiges Zeckenschutzmittel in kleinen Pipetten, das du deinem Hund an einer Stelle auf die Haut träufelst, meist im Nacken. Der Wirkstoff verteilt sich über die Haut und das Fell und wirkt je nach Präparat mehrere Wochen gegen Zecken (und oft auch Flöhe). Welches Mittel und welche Anwendungshäufigkeit passen, solltest du mit der Tierarztpraxis besprechen.
Können Hunde FSME bekommen?
Ja, aber klinische FSME wird beim Hund selten diagnostiziert. In Einzelfällen sind neurologische Symptome möglich.
Mein persönliches Fazit
Seit Amy und Peppy bei mir sind, weiß ich: Zecken gehören leider zum Hundealltag dazu. Gerade wenn dein Hund, so wie Amy, besonders oft betroffen ist, lohnt sich konsequentes Absuchen und ein passender Zeckenschutz.
Eine Minute Kontrolle nach dem Spaziergang kann den entscheidenden Unterschied machen.
Quellen (Auswahl)
- ESCCAP Deutschland: Zecken beim Hund
- ESCCAP Deutschland: Wie entferne ich eine Zecke richtig?
- ESCCAP Deutschland: Borreliose beim Hund
- ESCCAP Deutschland: Babesiose beim Hund
- Bundestierärztekammer (BTK): Zeckenzeit und Prophylaxe
- Cornell University College of Veterinary Medicine: Anaplasmosis
- Vetline (Der Praktische Tierarzt): FSME bei einem Hund
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bei Krankheitsanzeichen, neurologischen Symptomen oder akuter Verschlechterung solltest du umgehend eine Tierärztin oder einen Tierarzt aufsuchen.